Abflug nach Manchester


Einige Stunden vor dem Abflug zog es Hauke und mich in das Hamburger Original an den Jungfernstieg um die letzten Besprechungen abzuhalten und dabei einen der wohl besten Hamburger Deutschlands zu essen. Was sich die Block House Gruppe mit Jim Block aufgebaut hat ist schlichtweg einfach genial und glücklicher Weise zur Zeit nur in Hamburg zu genießen.

 

Nach einigen Stunden Schlaf ging es mit der noch recht neuen S-Bahn Verbindung zum Hamburger Flughafen um dort den Lufthansa Flug nach Manchester zu besteigen. Zur großen Überraschung war der Flug wohl der erste des Tages in Manchester, weshalb die Zollkontrolle ohne jegliche Wartezeit auskam.

 

Mit der Zugverbindung vom Manchester Airport ging es nach Manchester Piccadilly um dort die restlichen Tickets für die Tour abzuholen. Deutlich früher als geplant ging es dann nach Blackpool, wo wir am Nordbahnhof ankamen und nicht wie zuvor geplant an der Haltestelle des Pleasure Beachs, dennoch war die Zeitersparnis von weit mehr als einer Stunde deutlich positiv zu vermerken.

Ein Tag in der vertikalen Realität


Der 1896 gegründete Freizeitpark Blackpool Pleasure Beach gilt zweifelsohne als das Achterbahnmekka in Europa, immerhin stehen hier zehn verschiedene Achterbahnen, wobei eine Anlage besonderer ist als die andere. Aber auch andere, meist sehr seltene, Fahrgeschäfte sind hier zu finden und so strahlt der Pleasure Beach eine besondere Atmosphäre aus, was dem Rest der Gegend um ihn herum nicht sonderlich gelingt.

 

Nachdem man sein Ticket im Ticketcenter des Casinogebäudes neben dem eigentlichen Park abgeholt hat geht es nach kurzer Taschenkontrolle in den Park. Sollte man eine Tasche dabei haben kann man sich einen Locker zur Tagesmiete besorgen, welche vergleichsweise gering ausfällt.

 

Der erste Eindruck des Parks wirkt durch die imposante Stützkonstruktion der Big One vielversprechend. Der doch sehr großzügige Vorplatz wird durch eine der bekanntesten Attraktionen des Parks geprägt, den Flying Machines. Die 1904 erbaute Anlage ist die älteste Attraktion des Parks und bietet ein rasantes Fluggefühl, sofern die Anlage ersteinmal ihr volles Potential erreicht hat. Eine moderne Kopie der Anlage kann man im Übrigen in Disneys California Adventure finden.

 

Da die meisten Attraktion erst im Laufe des Tages öffneten ging es zur bis dato neuesten Achterbahn des Parks, dem Vekoma Suspended Looping Coaster Infusion. Die zuvor als Traumatizer aus dem New Pleasureland Southport bekannte Anlage wurde auf die Fläche der ehemaligen Wildwasserbahn des Parks gestellt, wo sie nun zwischen den Achterbahnen Big Dipper und Big One zur Geltung kommt. Der Weg zur Achterbahn gestaltet sich als halbwegs lang, verschafft einen aber wunderbare Einblicke in das Geschehen.

 

Die Fahrt ansich verläuft für diesen Achterbahntypen in einer gewohnten Qualität, größere Schläge während der Fahrt sind jedoch nicht zu erwarten. Die Wassereffekte denen man während des Fluges ausgesetzt ist sind nett und kommen vorallem in der ersten Reihe gut zur Geltung.


Infusion (Pleasure Beach Blackpool)
Infusion (Pleasure Beach Blackpool)
Infusion (Pleasure Beach Blackpool)


Eine Anlage die auf Bildern um einiges größer wirkt als in der Realität, ist der Big Dipper, eine Holzachterbahn aus dem Jahre 1923. Eine Besonderheit dieser Achterbahn ist, neben ihrem Alter, der Turm auf dem die Wende vor dem ersten größeren Gefälle stattfindet. Die Fahrt in den gut gepolsterten, wenn auch etwas engeren, Zügen ist amüsant, auch wenn dieser gerade im eher flacheren Verlauf der Strecke seltsam herumwippt. Glücklicherweise ist die Fahrt mit dem Big Dipper mit eher ausgeprägten Kräften bestückt und so kann man in den Genuss von negativen Kräften kommen.

 

Die Achterbahn, die dem Pleasure Beach im Jahre 1994 in aller Munde brachte, und einen der treffendsten Namen bietet ist die Big One. Zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung war sie die höchste, steilste und schnellste Achterbahn Europas und wurde bis dato nur zwei mal überboten. Heutzutage ist sie aber dennoch die höchste, steilste und schnellste Achterbahn, zumindest in der vertikalen Realität, die auch nur diese Achterbahn bietet.

 

The Big One ist eine unterschätzte Achterbahn, welche oftmals von allmöglichen Freizeitparkfans kritisiert wird, meist in Verbindung mit ihrem Hersteller Arrow Dynamics. Das sich die Achterbahn aber deutlich besser fährt als so manch europäischer Ablieger der Edelachterbahnschmiede Bollinger & Mabillard wird meist außer acht gelassen oder vor lauter Fanatismus einfach nicht bemerkt. Die fast 1700m lange Fahrt ansich ist aller erste Sahne und kann sich sehen lassen. Der First Drop ist schlichtweg als genial zu sehen und die nachfolgenden Hügel bieten ein ausgeprägtes Geschwindigkeitsgefühl, welches mit sehr seltsamer Airtime vor den Blockbremsen abgerundet wird.

 

Betrachtet man die Big One unter Beachtung der vertikalen Realität, die diese Achterbahn unbestreitbar verkörpert, so findet man eine der besten Achterbahnen Europas wieder, etwas neutraler betrachtet ist sie zumindest die beste Achterbahn des Parks mit einem unverwechselbaren Ausblick auf die irische See.


Big Dipper (Pleasure Beach Blackpool)
Big One (Pleasure Beach Blackpool)
Big One (Pleasure Beach Blackpool)
Big One (Pleasure Beach Blackpool)
Big One (Pleasure Beach Blackpool)


Gegenüber dieser Anlage kann man eine weitere Achterbahn aus dem Hause Arrow Dynamics entdecken, welche der Pferderennsportkultur der Engländer gewidmet ist. Steeplechase ist eine der besondersten Achterbahnen der Welt und weltweit die einzige Achterbahn die noch mit drei Spuren läuft. So besonders dieser Umstand schon ist, so ist die Fahrposition doch der eigentliche Grund warum die Anlage so bemerkenswert ist. Ähnlich wie bei einem größeren Pferdekarussel sitzt man relativ frei auf dem pferdeähnlichen Wagen, was bei den seltsam ausgeprägten Kurven schon recht abenteuerlich ist. Leider lief am Besuchstag nur die rote Spur, weshalb das Fahrverhalten der anderen Spuren nicht bewertet werden kann.

 

Etwas weniger abenteuerlich zeigt sich mit Blue Flyer die Kinderholzachterbahn des Parks. Wie auch Tomahawk aus dem Port Aventura setzt man bei dieser Achterbahn auf die kleinen PTC-Züge, jedoch hat man bei der Anlage hier wenigstens noch halbwegs Platz. Die Fahrt ansich startet recht schön mit einigen Hügeln, bis dann die Kurve durch das Gebäude des ehemaligen Indoorcoasters Space Invader 2 die Fahrt langsam ausklingen lässt.

 

Direkt neben der blau lackierten Achterbahn befindet sich die in orangen Farbtönen gehaltene Achterbahn Nickelodeon Streak. Die mittelgroße Out & Back Achterbahn bietet eine wunderbare Fahrt in fünfreihigen Wagen, bei denen man schon etwas Angst in den Kurven bekommen kann, denn die Wagen driften spürbar auseinander.


Steeplechase (Pleasure Beach Blackpool)
Steeplechase (Pleasure Beach Blackpool)
Nickelodeon Streak (Pleasure Beach Blackpool)
Nickelodeon Streak (Pleasure Beach Blackpool)


Des Weiteren findet man im Nickelodeon Land eine der kitschigsten und besten Themenfahrten Europas. In mehreren Bereichen bekommt man von Dora die jeweilige Begrüßungsfloskel beigebracht, wobei die Wahl von Tansania als eher fraglich zu bewerten ist. Nichts desto trotz We did it! und eine Nachahmung ist sehr empfehlenswert.

 

Neben den anderen Kinderfahrgeschäften und einer Wildwasserbahn kann man mit Spongebob Splash Bash einen Mack Twist 'n' Splash entdecken, der wohl auch weiterhin gerne an Kinderkrankheiten leidet, so dass eine Fahrt leider nicht möglich war. Zumindest lief aber die Zamperla Disko Avatar Airbender, welche eine überraschend intensive Fahrt an den Tag legte. 


Dora's River Adventure (Pleasure Beach Blackpool)
Dora's River Adventure (Pleasure Beach Blackpool)
Spongebob Splash Bash (Pleasure Beach Blackpool)
Pleasure Beach Blackpool


Ähnlich intensiv, so zumindest der allgemeine Tenor, verhällt sich der Bobachterbahn Avalanche. Die Fahrt ansich kann man durchaus als knackig bezeichnen, immerhin nimmt sie doch schnell an Tempo zu. Erstaunlich an der Bahn ist der recht gut gepflegte Kanal, welchen die Züge hinunterbrettern, jedoch kommt die Anlage nicht an die Schweizer Bobbahn im Heide-Park heran. Auch wird durch den lachenden Mann in unmittelbarer Nähe eine Atmosphäre geschaffen, der man nicht so gerne ausgesetzt ist.

 

Unter der Bobbahn gelegen befindet sich die Monza-Piste Grand-Prix, welche eine sehr interessante Streckenführung bietet. Vor allem der Anfang und das Ende in Form einer Parkhaushelix sind bemerkenswert.


Avalanche (Pleasure Beach Blackpool)
Avalanche (Pleasure Beach Blackpool)
Avalanche (Pleasure Beach Blackpool)
Grand Prix (Pleasure Beach Blackpool)


Ebenso bemerkenswert ist die Themenfahrt River Caves. Die Fahrt durch die Höhlen ist stellenweise so gut gestaltet, so dass die Anlage locker mit den größeren Bootsthemenfahrten wie Fata Morgana aus dem niederländischen Freizeitpark Efteling mithalten kann.

 

Direkt nebenan befindet sich die beste Holzachterbahn des Parks, die Wild Mouse. Diese Achterbahn sollte man besser nicht zu zweit fahren, da dieses leicht schmerzhaft sein kann. Die Fahrt an sich ist der Inbegriff des Wortes wild und weiß durch die intensive Fahrweise sehr zu überzeugen. Die Airtime die bei den Abfahrten erzeugt wird ist ausgeprägt, was durch den Sicherungsgurt noch verstärkt wird. Sehr bemerkenswert ist im Übrigen das Bremssystem der Anlage, welches doch eher modern ist.

 

Zwischen den Stützen der Big One befindet sich der Eingang zu einem der letzten Möbius Achterbahnen der Welt. Hier endet die linke Spur auf der rechten Seite und natürlich umgekehrt, wodurch beide Spuren stets laufen und ein Racing Betrieb auch an leeren Tagen ermöglicht. Die Achterbahn selbst verspricht so viel, nur halten kann sie es leider nicht. Eine Airtimeorgie, wie es manche Videos vermuten lassen sucht man hier vergebens, nur das Renngefühl ist gewährleistet.


River Caves (Pleasure Beach Blackpool)
Wild Mouse (Pleasure Beach Blackpool)
Wild Mouse (Pleasure Beach Blackpool)
Grand National (Pleasure Beach Blackpool)


In einer Halle mit einer eher hässlichen Fassade und einer vergleichsweise mickrigen Station davor kann man den Asen einen Besuch in Valhalla abstatten. Da die nordischen Götter doch eher wählerisch sind muss man jedoch drei Herausforderungen absolvieren. Nachdem man den ersten Lift passiert hat wird man mit enormer Hitze konfrontiert bis es nach einiger Zeit zum ersten Drop kommt, welcher rückwärts stattfindet. Da Hitze leicht befeuchtet keinen Spaß macht wird man in einen Kälteraum geschickt, wo so manch Wikinger sein bitteres Ende gefunden hat. Das nächste Gefälle schafft es schon einen etwas nässer zu machen, der darauffolgende Wassereffekt sorgt dafür das man klatschnass ist. Erneut wird ein Lift bestiegen und der Effekt einer schwingenden Axt lässt einen nochmal von der Seite durchfeuchten, man könnte ja schon wieder trocken sein. Die finale Schußfahrt weißt einen Doubledrop auf, welcher schon etwas nässer als die anderen Gefälle ist und unerwartet spät den zweiten Hügel einleitet. Im nachfolgenden Raum wird man etwas erwärmt, diese Passage könnte jedoch etwas länger sein.

 

Valhalla ist gut, aber nicht überragend. Die Mischung aus Wasserfahrt und Themenfahrt ist jedoch eine Mischung die man öfters vorfinden könnte, dann bitte jedoch nicht als Reversed Boat Ride von Intamin. Die Gestaltung wirkt an manchen Stellen leider etwas sparlich und weniger originell, was selbst die ganzen Effekte nicht kompensieren können. Vom Nässegrad ist die Anlage zwar verdammt nass, kann aber nicht mit O.D. Hopkins Tidal Wave aus dem englischen Thorpe Park mithalten, welche allein durch die erzeugte Welle jede Intamin Wasserbahn in den Schatten stellt.

 

Auf dem Platz vor Valhalla befindet sich der S&S Power Turbo Shot Ice Blast, welcher absolut garnichts kann, in dieser Hinsicht macht selbst die über 90m hohe Aussichtsfahrt des gleichen Typen aus dem Parque Warner in St.Martin de la Vega deutlich mehr Spaß. Glücklicher Weise befindet sich mit dem Derby Racer eine seltene und rasante Attraktion, welche im Grunde einem etwas überdimensionierten Pferdekarussel ähnelt und dabei ein beachtliches Tempo zu Tage legt.


Valhalla (Pleasure Beach Blackpool)
Derby Racer (Pleasure Beach Blackpool)
Ice Blast (Pleasure Beach Blackpool)
Flying Machines (Pleasure Beach Blackpool)


Sichtbar in der Nähe zu den Derby Racern befindet sich die Themenfahrt Alice Ride, wo es eine Reise ins Wunderland zu beschreiten gilt. Durch die Schwarzlichteffekte wirkt die Bahn schon leicht gruselig, wie es auch bei der Schneewittchen Themenfahrt im Pariser Disneyland Park ist. Die Fahrt ansich ist in Ordnung, zumal man interessanter Weise auf Betonplatten fährt.

 

Gleich gegenüber befindet sich mit den Ghost Train die erste Geisterbahn der Welt, welche seit dem Jahr 1930 in Betrieb ist. Die Fahrt an sich ist schön gestaltet und kann einige Effekte vorweisen die man so eher selten in Geisterbahnen sieht, nur wirklich gruselig ist die Bahn dann nicht. Wer jedoch auf absoluten Trash steht wird beim Ghost Train mit einem freudigen Grinsen aus dem Wagen steigen.

 

Die letzte Achterbahn des Parks wird derzeit erneuert, was einerseits Schade ist, aber wenn die Revolution dadurch noch revolutionärer wird ist es ein begrüßungswertes Vorhaben, immerhin gab es viele Gerüchte, was einen Abriss dieser Achterbahn betraff. Somit bleibt eine der letzten drei Anlages des Typus Launched Loop aus dem Hause Arrow Dynamics erhalten und die Engländer können sich auch weiterhin an ihrer ersten Loopingachterbahn erfreuen. Auf Grund der stetigen Arbeiten, die während des Besuches, an der Anlage getätigt worden ist eine Öffnung gegen Ende des Monats wahrscheinlich.


Alice in Wonderland (Pleasure Beach Blackpool)
Ghost Train (Pleasure Beach Blackpool)
Ghost Train (Pleasure Beach Blackpool)
Revolution (Pleasure Beach Blackpool)


Blackpool Pleasure Beach ist ein netter Freizeitpark mit guten Achterbahnen und guten Themenfahrten in dem man gut einige Stunden verbringen kann. Der Park selbst ist ein Lichtblick für die Stadt die ihm umgibt, jedoch weist der Park einige Lücken oder schlichtweg geschloßene Attraktionen auf, was die Atmosphäre und das Portfolio gleichzeitig etwas trübt. In dieser Hinsicht wäre es schon schön gewesen mit Bling, den Spin Doctors, den Trauma Towers, den Bumper Boats, usw. zu fahren. Der Erstbesuch hat sich zumindest gelohnt, aber vorerst muss Ich nicht erneut zum Pleasure Beach, auch kann Ich mir mehrere Tage in diesem Park bei besten Willen nicht vorstellen.

Eine kurze Nacht im Hawkes Hotel


Das Seebad Blackpool ist eine der Städte mit einem erstaunlichen Angebot an Hotels, welche wunderbar angereiht vom Norden zum Süden vorzufinden sind. Eine Auswahl an verschiedesten Hotels ist also gegeben, nur scheint man vor Ort nicht sonderlich auf Qualität zu setzen, weshalb Blackpool keine 4 Sterne Plattenbauhochburg ist wie Salou an der spanischen Costa Dorada. Glücklicher Weise scheinen Engländer sich aber gerne über den Zustand der Hotels zu beschweren, so dass es ein leichtes war mit Hotel- und Bewertungsportalen, wie dem Tripadvisor ein geeignetes Hotel zu einem vertrettbaren Preis zu finden.

 

Von außen betrachtet sieht das Hawkes Hotel nicht sonderlich spektakulär aus, wie im Grunde alle Hotels in Blackpool. Im Inneren zeigt das kleine Hotel jedoch seinen Charme. Der Hotelbesitzer war sehr freundlich, was auch für dessen kleinen Hund galt. Das Zimmer war wunderbar ausgestattet und hatte ein traumhaftes Bett.

 

Bedauerlicherweise konnten wir nicht bis zum Frühstück bleiben, da um kurz vor 6 der Zug nach Manchester Piccadilly kam. Nachdem wir jedoch Blackpool am Abend etwas genauer unter die Lupe genommen hatten, waren wir froh so schnell wieder die Stadt zu verlassen, welche selbst Salou als attraktives Ausflugsziel stehen lässt. Leider hatten die Piers allesamt geschloßen und ein Besuch im doch sehr interessant wirkenden Wasserpark fiel nicht in die Planung.